Die sechste und letzte Synodalversammlung endete am 31. Januar in Stuttgart sowohl mit Hoffnungen als auch mit Enttäuschungen zugleich. Daher stellt sich die Frage: Ist das Glas nach sechs Jahren intensiver und kontroverser Debatten am Ende nun halb voll oder halb leer?
Am vergangenen Samstag ging in Stuttgart der „Synodale Weg“, der die katholische Kirche in Deutschland in den letzten sechs Jahren geprägt und verändert hat, formal zu Ende. Die Zeit war – nicht nur während den sechs Versammlungen – von intensiven und teilweise teils kontroversen Diskussionen zwischen Bischöfen und Lai:innen, Teilnahmeboykotten von Bischöfen und insgesamt 15 gefassten Beschlüssen geprägt.
Am 31. Januar verabschiedete die sechste und letzte Synodalversammlung mit großer Mehrheit die Abschlusserklärung „Für eine Welt, die Zukunft hat – mit einer Kirche, die Hoffnung macht. Die katholische Kirche in Deutschland und der Synodale Weg“ mit einem selbstkritischen Fazit.
Das Glas ist sowohl mit Hoffnungen als auch mit Enttäuschungen gefüllt.
Die letzte Synodalversammlung endete am 31. Januar in Stuttgart sowohl mit Hoffnungen („Kirchengeschichte“, Söding) als auch mit Enttäuschungen („strukturelle Änderungen sind gescheitert“, Reformkräfte) zugleich. Somit ist das Glas auch mit Beiden zugleich gefüllt.
Entscheidend wird sein, ob alle Beteiligten den Mut und die Kraft haben, die Reformen vor Ort umzusetzen. Dabei sind vor allem die Bischöfe in der Pflicht, ihren Abstimmungsergebnissen auch Taten folgen zu lassen. Zwingen kann sie dazu aber Niemand, auch nicht Rom.
Apropos: Der Gegenwind aus Rom scheint sich – nicht zuletzt durch die Ergebnisse der Weltsynode 2024 – zu drehen. Ob es mal ein Rückenwind werden wird? Es wäre zu hoffen, denn das „laute Schweigen“ des Vatikans auf die Schreiben von DBK und die Gesprächsangebote des ZdK bald durchbrochen wird. Denn ansonsten droht ein Riss im Glas und das in sechs Jahren mühevoll gesammelte Wasser würde wieder aus dem Glas herausfließen…
Aber eins scheint sich aktuell abzuzeichnen: Ein „Zurück“, insbesondere bei der Frage der Synodalität der Kirche, wird es nicht mehr geben, auch nicht im Vatikan.
Das ist gut, denn es gibt noch viel zu tun, damit die Beschlüsse des Synodalen Weges und die bisher erfolgten „Trippelschritte“ kein Strohfeuer bleiben. „Nichts ist so beständig, wie der Wandel“, schrieb einst Heraklit. Und der Wandel in der katholischen Kirche in Deutschland ist erst ganz am Anfang. Aber er ist nicht allein, und auch das zeigt:
Das Glas ist voller als gedacht, aber auch anders als gedacht.
Hinweis: Interviews zur 6. Synodalversammlung und Artikel zum Thema „Synodale Kirche“ gibt es in unserem Partnerportal explizit.net: https://explizit.net/monatsthema/.
Christian Schnaubelt, Chefredakteur und Herausgeber der Portale explizit.net und kath.de, hat alle Synodalversammlungen des Synodalen Weges und die Weltsynode 2024 in Rom als Journalist begleitet.